Update
Juli 2013

Stockhaar/ Kurzhaar  Havaneser

Immer wieder fallen bei Havanesern Kurzhaar sogenannte Stockhaarhavaneser.
Dies zieht sich durch alle Vereine und liegt wohl in der Entstehungsgeschichte dieser Rasse. Sie entsprechen nicht dem Standart und daher wird mit diesen Tieren nicht weiter gezüchtet.
Im Vergleich zum Langhaarhavaneser unterliegen sie dem Haarwechsel wie viele andere Hunderassen auch und sind auch mehr allergieauslösend.
Wir haben zwei Hündinnen, die Träger von Kurzhaar sind und wollen daher gerne noch ein wenig darauf eingehen.
Frau Biala Gauss(1. Vs des VK/VDH) hat schon vor Jahren darüber geschrieben. Dies wollen wir auszugsweise hier einstellen und sind dankbar, dass sie es auch über die Vereinsgrenzen hinweg zur Verfügung gestellt hat.

 

Die Vererbung von Stock-(Kurz-) und Langhaar bei den Havanesern

von Karin Biala-Gauss  mit freundl. Genehmigung.(Copyright)

………
Für alle, die sich noch nicht intensiv mit dem genetischen Aspekt der Hundezucht beschäftigt haben, hier die Erklärung für diesen Erbgang:

Für jedes Merkmal, das durch einen einfachen rezessiv/dominaten Erbgang vererbt wird, ist ein Genpaar verantwortlich (im Gegensatz zum polygenen Erbgang, bei dem mehrere, verschiedene Gene von Nöten sind, um dieses Merkmal zu bewirken). Dieses Genpaar setzt sich aus zwei Einzelgenen zusammen, von denen eines vom Vater und eines von der Mutter an den betreffenden Nachkommen weitergegeben wird.

Um die Beziehung von Genen zueinander auszudrücken, die ein Merkmal bewirken, nennt man sie Allele Gene oder Einzel-Gen Allel. Die Durchsetzungskraft dieser Allele muss nicht gleich groß sein. Dies sei an einem Beispiel dargestellt.

Ein Hund, der von seinem Vater an dem Genort für Haarart ein langhaariges Allel und von der Mutter ein kurzhaariges Allel erhalten hat, zeigt selbst nicht eine Haarart, die genau zwischen Lang- und Kurzhaar liegt, sondern er ist entweder lang- oder kurzhaarig. Also muss eines dieser beiden Allele stärker = dominant sein. Das schwächere von beiden nennt man rezessiv. Um dieses Kräfteverhältnis in der genetischen Formelsprache auszudrücken, werden dominantes Durchsetzungsvermögen in Grossbuchstaben und rezessives Durchsetzungsvermögen in Kleinbuchstaben dargestellt.

Beim einfachen dominant/rezessiven Erbgang gibt es drei mögliche Kombinationen, die das Individuum (in der Folge nennen wir es der Einfachheit halber Hund) aufweisen kann:

- Er ist dominant reinerbig, d.h. er hat von beiden Eltern für diese Eigenschaft ein dominantes Allel erhalten (und zeigt somit die Eigenschaft, die das dominante Allel bewirkt)

- Er ist rezessiv reinerbig, d.h. er hat von beiden Eltern für diese Eigenschaft ein rezessives Allel erhalten (und zeigt somit die Eigenschaft, die das rezessive Allel bewirkt)

- Er ist mischerbig, d.h. er hat von Vater und Mutter unterschiedliche Allele für diese Eigenschaft erhalten und zeigt die Eigenschaft, die das dominante Allel für diese Eigenschaft bewirkt.


Wer aufgepasst hat, hat sicherlich schon bemerkt, dass bei einem rezessiven Merkmal, das sich zeigt, IMMER Reinerbigkeit vorliegen muss, anders könnte es sich sonst nicht durchsetzen. Am Beispiel "Havaneser" gehen wir davon aus, dass zwei Allele für die Haarartvererbung vorhanden sind (Langhaar und Stockhaar), wobei das Allel für Stockhaar in diesem Fall rezessiv ist.
Wir haben genetisch dreierlei Havaneserhaar:

1. Reinerbig Langhaar,
also beide Allele dominant, was wir hier mit LL darstellen.

2. (Reinerbig) Kurzhaar,
also beide Allele rezessiv, was wir hier mit kk darstellen.

3. Mischerbig,
also ein Allel dominant Langhaar = L und ein Allel rezessiv Kurzhaar = k, so dass LK vorliegt, was optisch einen langhaarigen Havaneser ergibt, der aber kurzhaarige Nachkommen erbringen kann, wenn er mit einem entsprechenden Partner verpaart wird.

Wenn wir jetzt Havaneser züchten, gibt es theoretisch (!) sechs Verpaarungsmöglichkeiten:

1. Reinerbig Langhaar mit Reinerbig Langhaar LL x LL
Mögliche Kombinationen: LL LL LL LL Ergibt zu 100% reinerbig langhaarige Havaneser

2. (Reinerbig) Stockhaar mit (Reinerbig) Stockhaar kk x kk
Mögliche Kombinationen: kk kk kk kk Ergibt zu 100% (reinerbig) stockhaarige Havaneser. Dies war die Versuchspaarung.

3. Reinerbig Langhaar mit mischerbig Langhaar LL x Lk
Mögliche Kombinationen: LL Lk LL Lk Ergibt: 100% optisch langhaarige Havaneser, von denen die Hälfte (50%) reinerbig, die andere Hälfte (50%) mischerbig ist.

4. Mischerbig Langhaar mit mischerbig Langhaar Lk x Lk
Mögliche Kombinationen: LL Lk Lk kk Ergibt: 25% reinerbig langhaarige Havaneser, 50% mischerbig langhaarige Havaneser und 25% (reinerbig) kurzhaarige Havaneser.

5. Reinerbig Langhaar mit (reinerbig) Kurzhaar LL x kk
Mögliche Kombinationen: Lk Lk Lk Lk Ergibt: 100% mischerbig langhaarige Havaneser.

6. Mischerbig Langhaar mit (reinerbig) Kurzhaar Lk x kk

Mögliche Kombinationen: Lk Lk kk kk Ergibt: 50% mischerbig langhaarige und 50% (reinerbig) kurzhaarige Havaneser
Die Prozentangaben für die resultierenden Nachkommen ergeben sich jedoch nicht pro Wurf, sondern sie sind hochgerechnet auf das gesamte Zuchtgeschehen. Rezessive Gene können über viele Generationen hinweg unbemerkt mitgetragen werden, denn sie können nur in Erscheinung treten, wenn zwei mischerbige Tiere miteinander verpaart werden. Und auch dann muss nicht zwangsläufig ein reinerbig rezessiver Nachkomme im Wurf auftauchen. Ob ein Havaneser reinerbig langhaarig ist, lässt sich nie mit Sicherheit sagen (auch eine Inzestverpaarung würde keine Gewissheit geben). Nur eines ist sicher: Fallen einmal stockhaarige Nachkommen in einem Wurf, dann sind beide Elternteile mischerbig. Zum jetzigen Zeitpunkt wird und kann der VK(VDH) keine Zuchtauslesemaßnahmen für mischerbige Havaneser ergreifen. Es müssten ganze Linien herausgenommen werden, und ein erbgesunder Weiterbestand der Rasse wäre damit ernsthaft gefährdet. Da stockhaarige Havaneser zwar nicht dem Standard entsprechen (und deswegen auch nie zur Zucht eingesetzt werden können), aber in ihrer Funktion in keinster Weise beeinträchtigt sind, richtet ihr Vorkommen im Moment weniger Schaden für die Rasse an, als ein Zuchtverbot für erkannt mischerbige Tiere. Es liegt also derzeit in der Verantwortung der Züchter, vor jeder Verpaarung die Ahnentafeln der Zuchtpartner auf ein mögliches Zusammentreffen von mischerbigen Ahnen hin zu überprüfen.
 

–Zitat Ende-


Klar wird dadurch, Kurzhaar entspricht nicht dem Standart aber ist keine Krankheit und darum haben wir auch beschlossen mit unseren Damen weiter zu züchten. Natürlich mit dem Hintergrund, dies bei der Partnerwahl nicht aus dem Auge zu lassen.

Zur Zeit sind wir noch auf der Suche nach Bilder von solchen Kurzhaarhavanesern. Damit kann man sich auch besser ein Bild davon machen, was damit gemeint ist und wie man sich so einen Hund vorstellen muss.
Danke an Nina, die uns die beiden folgenden Bilder zur Verfügung gestellt hat.
Filou, Kurzhaarhavaneser
                  
Weitere Bilder von einem KH Wurf, danke auch hier für die Überlassung der Bilder.
Im Alter von 2 Wochen sind noch keine erkennbaren Unterschiede sichtbar:

Mit vier Wochen, die dunkle ganz links bzw. ihre Schwester auf dem nächsten Bild

Die beiden (Nala und Mona) mit acht Wochen, jetzt sieht man schon gut, dass die Haare nicht so wuschelig sind.

Zum Vergleich acht Wochen alte Welpen von unserem B Wurf, es wirkt wie zwei unterschiedliche Rassen.

Vielen Danke auch hier für die Überlassung der Bilder zur Veröffentlichung.


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Leider gibt es zu viele Leute, die mit dem Eigentum anderen so umgehen als ob es ihres wäre. Danke für das Verständnis